„Wenn nichts mehr geht, dann geh“ A.Grün

„Wer bin ich, wenn keiner zuschaut“
(gesehen bei Sabastian Kühn www.wirelesslife.de)

Schon lange hatte ich die Idee, den Übergang von der Arbeits- in die Ruhestandswelt mit einem Ritual zu begehen.
Unter mehreren Möglichkeiten schob sich immer mehr das Pilgern in Italien in den Vordergrund und Franziskus, der mir immer wieder „begegnet“ ist.
Nach vielen Überlegungen, Vorbereitung, Planen, Optimieren wurde immer deutlicher:    Jetzt geh endlich!

 

Laufen ohne Zweck

Die Ankündigung bei Freunden und Bekannten löste viele Nach-fragen aus: „wie weit ist denn das?“, „was, im August, bei den Temperaturen?“, „planst Du das alleine?“, „das würde ich mir nicht antun“, „da haben die Italiener doch Ferien“, „wer geht denn mit“, “warum machst Du das?“, „möchtest Du Antwort auf Deine Fragen?“,….

Zu manchem hatte ich eine Idee, zu anderem keine Ahnung, hatte ich es doch so noch nie gemacht.
Ich fühlte nur, ich wollte gehen.
Was sehr schön war, dass ich die erste Zeit mit meiner Lebenspartnerin gehen konnte und im zweiten Teil solo unterwegs war. Beides hatte eine ganz eigene Qualität.

Natürlich hatte ich ein paar Gedanken und Wünsche nach Klarheit oder Lösung.
Aber während des Wanderns stellte sich eine Art „Flow“ ein, bei dem es immer mehr um das Finden und Gehen des Weges ging.

Die Wahrnehmung der wunderschönen und einsamen Wälder, die Wildschweinfamilie neben dem Pfad, betörende Gerüche, das kühlende Wasser vom Brunnen oder ausgedehnte Farnwiesen und weite Blicke ins Tal beruhigten das viele Geplapper im Kopf.

Es ging nicht mehr um Effizienz, Lösungen, oder Ergebnisse
„Der Weg ist das Ziel“, hatten wir oft gehört und je mehr wir uns auf das Jetzt einlassen konnten, desto mehr wurde es innerlich weit.
Gibt es Zeiten bei uns, die zweckfrei sind? Wann genau?

 

Minimalismus

Erstaunlich, mit wie wenig (aber immer noch zuviel) Ausrüstung man auskommen kann. 3 T-shirts, 2 Hosen, ein Abendset,, Regenjacke, (viel!) Wasser, Hüttenschafsack, Elektronik und Medikamente ergeben wenige überschaubare Päckchen.
Zu Beginn ungewohnt, bildete sich schnell die Routine: Ankommen, duschen (was für ein Segen!), Klamotten waschen, ausruhen, Städtle besichtigen, bisle Proviant kaufen und Abendessen.

 Unsere Schlafstätten waren sehr vielfältig. B&Bs, Agriturismos, kleine Hotels, Einsiedeleien, Klöster oder auch einmal ein Zelt zeigten uns die Bandbreite von sehr einfach bis Komfort.
Nach einem heißen und anstrengenden Tag war selbst die einfache und kalte Dusche im Freien ein Genuss.

Informationen, was auf der Welt vor sich geht, waren sehr bald ganz verschwunden und wir haben sie nicht vermisst.

Das Pilgern führte auch zum Nachspüren der inneren Haltung von Franz von Assisi:
Das einfache Leben – was brauchen wir wirklich?
Die Liebe und Achtung der Menschen und Natur mit ihren Geschöpfen –
wie nehmen wir einander wahr und wie die Tiere und Pflanzen?

 

Franziskus

Faszinierend, wie präsent Franziskus auf der ganzen Tour ist. Unzählige Kirchen, Kapellen und Einsiedeleien säumen den Weg.
Legenden über seine Taten werden kunstvoll dargestellt: die Zähmung des Wolfs, das Predigen den Vögeln, das Konzert der Zikade und andere.

Eindrucksvoll sind die vielen Höhlen, in denen Franziskus seinen Gott suchte und um Klarheit betete. Es wird berichtet, dass er wohl mehr als die Hälfte seiner Zeit in der Natur verbrachte um zu lauschen.
Oft war er von Fragen und Zweifeln geplagt, wie es denn weitergehen sollte.
Für ihn war Natur und Spiritualität eine Einheit, denn da draußen begegnete ihm die Urquelle des Lebens.

Was tun wir, wenn Fragen und Zweifel bei uns auftauchen?
Wo sind unsere Quellen? 

 

Franz geht seinen Weg. Und er hinterlässt Spuren.
Auch gegen familiäre und Freundes Widerstände sucht er seine Wahrheit und lebt sie mit großer Konsequenz.
Spiritualität war für ihn immer auch konkretes Handeln, nachdem er von den Maiores (die oben) zu den Minores (die unten) „bekehrt“ war.

Wofür leben wir?

Übungs Idee:
Nehmen Sie sich eine der obigen Fragen und leben Sie 1 Woche damit.
Morgens, Mittags und Abends einen Moment des Innehaltens.
Nach einer Woche Rückschau: was haben diese Momente mit Ihnen gemacht?

Von Zeit zu Zeit werde ich punktuelle Erfahrungen meiner/unserer Pilgerreise
als Blog beschreiben.
Wenn Sie einen Kommentar schreiben möchten, würde ich mich sehr freuen.

Quellen:
Der Franziskusweg – Angela Seracchioli
Franziskusweg – Rother
Franziskusweg Pilgerführer – Ochsenkühn
www.franziskuspilgerweg.de
www.viadifrancesco.it/de